Die russisch-orthodoxe Kirche

Wiesbaden war schon immer Anziehungspunkt russischer Immigranten, die aus verschiedenen Gründen in die hessische Landeshauptstadt kamen, und ihre Spuren hinterließen. Maßgeblich daran beteiligt waren die engen verwandtschaftlichen Beziehungen des Hauses Nassau mit dem russischen Zaren. Darauf gehen auch der Bau der russisch-orthodoxen Kirche auf dem Neroberg und der angrenzende Friedhof zurück, die lange zu den einzigen außerhalb des Zarenreichs gehörten.

Entstehungsgeschichte

Als Herzog Adolph von Nassau und seine frisch angetraute Frau Großfürstin Elisabeth am 26. März 1844 in Wiesbaden einzogen, jubelten ihnen die Massen zu. Das Paar feierte zwei Monate zuvor seine glanzvolle Hochzeit in St. Petersburg. Ihm sollte jedoch kein langer gemeinsamer Weg beschieden sein. Die knapp 18-jährige Nichte der Zaren Alexander I. und Nikolaus I. starb im Januar 1845 bei der Geburt ihrer Tochter. Der trauernde Herzog beschloss darauf, eine russisch-orthodoxe Kirche auf dem Wiesbadener Neroberg zu errichten, damit Elisabeth ihrem Glauben gemäß beigesetzt werden konnte. Der Bau des Gotteshauses sollte unter Zustimmung des Zaren mit der Mitgift von einer Million Silberrubel finanziert werden.

Erbauung

Den Bau der Kirche leitete Oberbaurat Philipp Hoffmann, der zwecks Erforschung des russisch-orthodoxen Kirchenbaus eigens nach Russland reiste. Ihn interessierte vor allem eine Verbindung typischer russischer Bauformen mit italienischer Renaissance. Inspiration fand er schließlich in der Moskauer Erlöserkirche. Nach ihrem Vorbild entstand ab 1847 aus hellem Pfälzer Sandstein die Russisch-Orthodoxe Kirche der heiligen Elisabeth, im Volksmund auch „griechische Kapelle“ genannt. Ihre Weihe nach griechisch-orthodoxem Ritus fand am 25. Mai 1855 statt. In einer feierlichen Prozession wurden die verstorbene Herzogin und ihre Tochter von der Bonifatiuskirche ins neue russisch-orthodoxe Gotteshaus überführt, wo sie in der Krypta ihre letzte Ruhestätte fanden. Genau unter dem Sarkophag aus weißem Carrara-Marmor, einem Werk des bekannten Wiesbadener Bildhauers Emil Hopfgarten, der die Verstorbene liegend, mit einem Kranz aus Rosen im Haar darstellte.

Russische Kirche mit Renaissance-Innenraum

Der Sakralbau mit seinen fünf von feuervergoldeten Kuppeln gekrönten Zwiebeltürmen und den nach Süden gerichteten orthodoxen Kreuzen mutet von außen russisch an. Demgegenüber erinnert der mit Marmor ausgestattete Innenraum an die italienische Renaissance. Gläubige betreten das Gotteshaus durch den Westeingang. Der Südeingang war der herzoglichen Familie vorbehalten und nach der Abdankung des Zaren Nikolaus II. für immer geschlossen worden. Beim Eintreten in die Kirche fällt als Erstes die von Carl Timoleon von Neff geschaffene dreistöckige Ikonostase auf. Seine Ikonen, die westliche Einflüsse aufweisen, sind durch kleine Säulen aus Marmor voneinander getrennt. Das Innere der Kuppel zieren Fresken des Berliner Malers August Hopfgarten.

Der Friedhof

1856, ein Jahr nach der feierlichen Weihe der russisch-orthodoxen Kirche auf dem Wiesbadener Neroberg regte die Mutter der verstorbenen Herzogin die Errichtung eines russisch-orthodoxen Friedhofs an. Die Fürstin war sogar bereit, die Hälfte der Kosten zu übernehmen. Die andere ging zu Lasten des russischen Außenministeriums. Wie schon für die nahegelegene Kirche übernahm Philipp Hoffmann die Planung. Auf dem Friedhof haben nebst vielen russisch-orthodoxen Gläubigen, die in den Anfangszeiten sogar aus der Schweiz und Frankreich kamen, auch berühmte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhestätte gefunden. Zu ihnen gehören unter anderen zwei Kinder des Zaren Alexander II. oder der russische Maler Alexej von Jawlensky.

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