Die Lutherkirche

Zur Heiligen Nacht des Jahres 1910 wurde in Wiesbaden eine Evangelische Kirche eingeweiht, die in ihrer architektonischen Eigenart Maßstäbe setzte. Der Grundriss war für damalige Verhältnisse ziemlich ungewöhnlich, doch als das Gotteshaus seiner Bestimmung übergeben wurden, schwärmten die Besucher von der Gestaltung des Innenraums und vor allem von der sehr guten Akkustik. Etwas mehr als zwei Jahre nach dem ersten Spatenstich war das Werk aus der Ideenschmiede des Architekten Friedrich Pützer vollendet, und heute zählt die Lutherkirche an der Mosbacher Straße zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt Wiesbaden.

Eine vierte Kirche für Wiesbaden

Der Jugendstil, der um die Jahrhundertwende bei allen Neubauten groß in Mode war, bestimmte auch die Architektur der Lutherkirche. Ihre Entstehung verdankt sie in Wiesbaden der Tatsache, dass die Stadt in dieser Zeit unter den Einwohnern starke Zuwächse verzeichnete und die evangelische Gemeinde neben der Marktkirche, der Ringkirche und der Bergkirche dringend ein viertes Gotteshaus benötigte. Nach der Ausschreibung erhielt der Architekt Friedrich Pützer, der sich an der Technischen Hochschule in Darmstadt einen guten Namen gemacht hatte, den Zuschlag.

„Eine feste Burg ist unser Gott“

Eindrucksvolles Merkmal der Lutherkirche ist deren fünfzig Meter hoher Turm und ein Dach, das wegen der Ausmaße und der Stahlkonstruktion bereits während der Bauphase für Aufsehen sorgte. Martin Luthers Worte und Lieder zieren heute den Haupteingang im Tympanon: „Eine feste Burg ist unser Gott“ und „Das Wort sie sollen lassen stahn“. Die griechischen Buchstaben Alpha und Omega im Zenit des Kreuzes symbolisieren die Überzeugung der Christenheit, wonach Jesus Christus Anfang und Ende der Welt ist.

Ein Gotteshaus mit zwei Orgeln

Goldschmiede, Bildhauer, Glasmaler, Dekorateure und Medailleure gaben damals der Lutherkirche in Wiesbaden den letzten Schliff. In einer Kirche, von der man in dieser Stadt mit Stolz sagt, sie sei so etwas wie ein Gesamtkunstwerk. Dazu fügt sich die Orgel nahtlos ein. Sie entstand in der zu dieser Zeit in ihren Qualitätsmerkmalen kaum zu übertreffenden Orgelbauer-Werkstatt der Ludwigsburger Firma Walcker. die selbst für den Vatikan gearbeitet hatte. Die dreimanualige Orgel der Lutherkirche ist in der Lage, eine romantische Stimmung zu zaubern. In den siebziger Jahren des vergangen Jahrhunderts wurde die ursprüngliche Orgel durch eine neue ersetzt, doch die Walcker-Orgel wurde ebenfalls restauriert. So verfügt dieses Gotteshaus nunmehr über zwei große Orgeln und ist ein kirchenmusikalischer Nabel nicht nur im Land Hessen sondern dazu auch noch die Heimat des bekannten Bachchors Wiesbaden.

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