Die Thomaskirche

Église Saint-Thomas

Die lutherische Thomaskirche (Église St. Thomas) gehört – neben dem Straßburger Münster – zu den bedeutendsten Kirche von Straßburg. Im Jahr 1996 feierte die gotische Hallenkirche ihren 800. Geburtstag.

Die Ursprünge des Kirchenbaus gehen auf ein Benedikterinnenkloster aus dem Jahr 600 zurück. Das Kloster war dem Apostel Thomas gewidmet. Der Bischof Adalog veranlasste hier im 9. Jahrhundert einen Kirchenneubau mitsamt einer Schule. Jedoch traf 1007 ein Blitzschlag das Gebäude und ein Brand legte den Bau in Schutt und Asche. Der eigentliche Bau der Kirche, wie wir sie heute kennen, begann demnach im 12. Jahrhundert. Dank eines Ablassprivilegs konnte 1196 mit dem Bau der Fassade begonnen werden. Der älteste Teil der Kirche ist die Blasiuskapelle nördlich vom Chor. Das Langhaus wurde am Ende des 13. Jahrhunderts fertiggestellt. 1330 stießen zwei zusätzliche Schiffe hinzu. Die Stadt Straßburg veranlasste 1536 den Bau einer Schule.

Romanische und gotische Architektur

Die St. Thomaskirche ist eine fünfschiffige Hallenkirche. Die Länge im Inneren beträgt 65 Meter, die Breite 30 Meter und die Innenhöhe 22 Meter. Vom Stil her stellt der Bau eine Mischung aus romanischen und gotischen Elemente dar. Die frühesten Bauelemente gehören noch der romanischen Tradition an, wie etwa der wuchtige Torturm. Das im 13. Jahrhundert entstandene Querhaus mit dem Vierungsturm und der Chor tragen gotische Formen. Die erst im 16. Jahrhundert errichteten Seitenkapellen sind im Stile der Spätgotik gehalten. Von den ursprünglichen mittelalterlichen Bleiglasfenstern ist nur noch die Fensterrose in der Fassade enthalten. Die restlichen Fenster zieren vor allem pflanzliche Motive, nachdem viele der Heiligendarstellungen lutherischen Bilderstürmern zum Opfer fielen.

Die Thomaskirche wechselt zum lutherischen Glauben

Im Jahre 1524 wandte sich die Thomaskirche dem lutherischen Glauben zu. Auch als der Elsass vom katholischen Frankreich annektiert wurde, behielt sich die Kirche die evangelische Gesinnung. Ebenso verhielt es sich mit dem Kollegiatstift sowie seinen Besitzungen. Später war die Thomaskirche der Ort, an dem Friedrich Spitta im Zuge der „älteren liturgischen Bewegung“ neue Gottesdienstformen probte.

Die Orgeln der Thomaskirche

Andreas Silbermann erreichte im 17. Jahrhundert eine imposante Orgel in der Thomaskirche. Auf ihr spielte im Jahre 1778 Wolfgang Amadeus Mozart sowie später Albert Schweitzer in Gedenken an Johann Sebastian Bach. 1979 wurde die Silbermann-Orgel von Alfred Kern restaurierte. Neben der Silbermann-Orgel besitzt die Thomaskirche noch eine zweite, kleinere Orgel. 1905 erbaute Fritz Haerpfer die kleinere Chororgel nach den Plänen von Albert Schweitzer.

Grabdenkmäler

Die Thomaskirche ist berühmt für ihre Grabdenkmäler. Die Denkmäler stammen aus der Zeit zwischen 1130 und 1850. Dazu gehört das romanische Grab des Bischofs Adelog aus dem 12. Jahrhundert. Sehenswert ist auch das Grabmal des französischen Feldherrn Marschall Moritz von Sachsen, welcher 1750 verstarb. Das Denkmal wurde 1776 von Jean-Baptiste Pigalle fertiggestellt. Das imposante Grab befindet sich in der Apsis und zeigt den Marschall, wie er eine Treppe in den Sarg hinab schreitet, während die figurativ dargestellte Frankreich ihn abzuhalten versucht.

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