Die Festung Skansen Kronan

Verteidigungsanlage aus dem 17. Jahrhundert

Auf dem Göteborger Risåsberg im Szene-Stadtteil Haga steht eines der Wahrzeichen der westschwedischen Metropole: Skansen Kronan, der Wehrturm einer Festungsanlage aus dem Ende des 17. Jahrhunderts.

Bereits um 1650 gab es auf Befehl von Gustav II. Adolf und unter der Leitung von Olof Örnehufvud und Johan Wärnschiöldh erste Befestigungsanlagen auf dem Berg, der zugleich gerodet wurde, um bessere Sicht und im Verteidigungsfall ein freies Schussfeld zu haben. Damals war die Gefahr durch das Dänische Reich unmittelbar; 1655 bis 1660 gab es zwischen Dänemark und Schweden zwei Kriege, die als Teile des Zweiten Nordischen Kriegs in die Geschichte eingehen und die Machtverhältnisse im Nord- und Ostseeraum umverteilen sollten.

Göteborg war durch seine Lage Dänemark unmittelbar zugewandt und befand sich daher in besonders exponierter Stellung, die aus strategischen Gründen unbedingt gehalten werden sollte (so stellte die Stadt am Ufer des Göta älv lange Zeit den einzigen Kattegat-Zugang Schwedens dar, waren doch sowohl die Gebiete südlich als auch nördlich Teil des dänisch-norwegischen Konglomeratstaats). Im Jahr 1687 genehmigte der schwedische König Karl XI. die neuen Pläne von Erik Dahlbergh, die für Göteborg eine Wehranlage mit zwei Schanzen vorsahen: die markante Skansen Kronan, also die Kronenschanze, und die etwas niedrigere Skansen Westgötha Leijon(Westgotländischer Löwe), heute Skansen Lejonet, die Löwenschanze; dazu mächtige Schutzmauern sowie ein Festungsgraben.

Von Skansen Kronan ist lediglich der mächtige Wehrturm erhalten, der nunmehr den Namen der Gesamtanlage übernommen hat. Der Turm hat einen achteckigen Grundriss mit alternierend kürzeren und längeren Seiten und besteht aus vier Etagen, wobei im ersten Geschoss Soldaten untergebracht waren, Kanonenkugeln gegossen wurden und – eine gefährliche Mischung – Schießpulver gelagert wurde. In den Etagen zwei und drei waren Kanonen postiert, mit denen aus insgesamt 40 Öffnungen auf zwei Ebenen geschossen werden konnte; die vierte Etage war mit Schießscharten für die Artillerie versehen. Nach ihrer Fertigstellung waren bis zu 27 Kanonen in der Schanze stationiert. Die Mauern sind bis zu sieben Meter dick und aus Feldstein errichtet; die oberen Abschlüsse wurden aus Granit gefertigt. Seit 1697 bildet eine vergoldete, hölzerne (und mehrfach ausgetauschte und umgestaltete) Krone den weithin sichtbaren Abschluss des 33 Meter hohen Gebäudes.

Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts bestand von der vorgelagerten Schanzenanlage aus ein befestigter und von beiden Seiten mit Wassergräben geschützter Verbindungsgang ins gesicherte Göteborg selbst sowie in weitere Verteidigungsbauten wie die Bastion Christina Regina (benannt nach Königin Christina, Tochter von Gustav II. Adolf); im Zuge des Abrisses von Stadtmauer und Verteidigungsanlagen und der Bebauung des Geländes mit den typischen Siedlungshäusern der Region – unten aus massivem Stein, oben aus dem weit günstigeren Holz – verschwand auch diese Kaponniere. Die Kronenschanze wurde nie in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt.

Im Jahr 1839 wurde das Königstor von Skansen Kronen abgerissen; dafür schmückte man einen noch heute bestehenden Eingang mit zwei steinernen Löwen. 1854 wurde der Bau zwischenzeitlich als Gefängnis gebraucht, als man 200 Gefangene aus Marstrand hierher verlegte. 1874 begannen die Göteborger, Skansen Kronan als Notunterkunft zu nutzen, weil die Bautätigkeit der schnell wachsenden Hafenstadt nicht ausreichte, um allen Bewohnern ein Dach über dem Kopf zu bieten.

Ab 1900 wurde der Risåsberg umgestaltet; die Schanze wurde renoviert, überflüssige Gebäude riss man ab, legte neue Wege an und begann mit Pflanzungen, die 1912 in die Anlage des zwei Hektar großen Skansparken, dem Schanzenpark, mündeten, der Skansen Kronan umgibt und von den Göteborgern und den Besuchern der Stadt gleichermaßen zum Spazierengehen und für Picknicks genutzt wird. Im Turmgebäude selbst eröffnete 1904 ein Militärmuseum mit Uniformen und historischen Waffen. 1925 erwarb die Stadt den Risåsberg vom schwedischen Staat; Skansen Kronan selbst jedoch wird als Byggnadsminne (etwa: Baudenkmal) von der staatlichen Immobilienverwaltung betrieben. Nach 100 Jahren wurde 2004 das Militärmuseum geschlossen, die Ausstellungsstücke lagern im Magazin des städtischen Museums.

Aktuell ist Skansen Kronan ein beliebtes Ausflugsziel, dessen Café sich in der ehemaligen Soldatenstube am Fuß des Turms befindet und das heute gern von Spaziergängern genutzt wird. Die Aussicht vom Schanzenberg über die Stadt bietet einen schönen Blick auf die repräsentative Handelsmetropole, aber auch die entspanntere Altstadt von Haga, in der Studenten, Künstler, Durchschnittsgöteborger und Besucher durch die ausgedehnte Fußgängerzone flanieren, Kaffee trinken und die Atmosphäre eines weitgehend erhaltenen Stadtensembles aus dem 17. und 18. Jahrhundert genießen. Der Bau selbst dient als außergewöhnliches Veranstaltungslokal. Neben regelmäßigen Führungen auf Deutsch, Englisch und Schwedisch können für Personengruppen in diesen Sprachen auch thematische Führungen zur Geschichte der Schanze, zu „Verbrechen und Strafe“, zu Göteborgs Unterwelt oder zum Militärwesen gebucht werden. In der Haga Nygata 10E mitten im gleichnamigen Stadtteil befindet sich der Museumsshop von Skansen Kronan, in dem die Eintrittskarten gekauft werden können und man bei einem schwedischen Kaffee weitere Informationen zu der Anlage erhält.

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