Das Stadviertel Haga

Göteborgs ältester Vorort

Haga, die eigentliche Altstadt von Göteborg, ist einer der Anziehungspunkte der Stadt für Einheimische wie für Besucher. Der Stadtteil südlich des Göta älv ist weniger hektisch als die betriebsame Innenstadt und wirkt durch die weitgehend erhaltenen (und autofreien) Straßenzüge mit ihrer Bebauung aus dem 17. und 18. Jahrhundert pittoresk, ohne aufgesetzt touristisch zu erscheinen.

Die Geschichte von Haga

Dabei war Haga lange Zeit alles andere als ein attraktiver Stadtbezirk. Nach 1648 auf Anordnung von Königin Christina angelegt (sie war die Tochter des Göteborg-Gründers Gustav II. Adolf), befand sich Haga außerhalb von Stadtmauer und -graben; dass das Viertel bei einem Angriff auf Göteborg aufgegeben werden musste, verstand sich von selbst. Mehrfach war es nötig, Haga gezielt niederzubrennen, um ein freies Schussfeld auf die Angreifer zu haben.

Damals war die Mündung des Flusses Göta älv ins Kattegat der einzige Zugang Schwedens zur Nordsee; gehörten doch das südlich gelegene Halland und Bohuslän im Norden zum dänisch-norwegischen Reich, damals einer Supermacht im europäischen Norden. Aus dieser Zeit ist in Haga von der Festungsanlage mit den beiden Schanzen Kronan (die Krone) und Lejonet (der Löwe) nur noch der Wehrturm Skansen Kronan erhalten; nach wechselvoller Geschichte als Gefängnis, Notunterkunft und Militärmuseum ist er nunmehr ein Restaurant und bildet den höchsten Aussichtspunkt des Stadtteils.

Erst der Frieden von Roskilde 1653 ermöglichte die friedlichere Nutzung der strategisch günstigen Lage Göteborgs für Handel und sich entwickelnde Industrie, die der Stadt den Beinamen Lilla London (Klein London) einbrachte. Niederländer, Norweger, Briten und Deutsche zählten zu den ersten Siedlern Hagas. Später waren hier Seeleute und Hafenarbeiter ansässig, und das dicht besiedelte Viertel bekam einen zunehmend schlechtem Ruf, von dem sich die wohlhabenden Göteborger Bürger abwandten.

Im 20. Jahrhundert sollte Haga abgerissen werden, doch durch den Protest der Bevölkerung konnte dieses einzigartige Ensemble erhalten werden. In den 1980er Jahren begann die Sanierung des Viertels, so dass ein Großteil der typischen Häuser – unten aus Stein, oben aus Holz – sowie das ursprüngliche Kopfsteinpflaster erhalten werden konnte. Diese Häuser werden Landshövdingehus (etwa: Landeshauptmannhäuser) genannt und sind in dieser Zahl nur hier erhalten.

Touristen, Hipster und Künstler

Künstlerische Avantgarde und Studenten, Hipster und Durchschnittsschweden leben hier oder verbringen in Haga ihre Kaffeepause oder einen Nachmittag bei schönem Wetter. Auf den Grünflächen (Kungsparken im englischen Stil mit altem Baumbestand und idyllischen Plätzen am Wasser oder der an Haga grenzende Linnépark) lässt es sich picknicken, in der Hauptstraße Haga Nygata vieles entdecken: von Gebäckspezialitäten über Designklassiker, Bücher oder Mode im so genannten Scandinavian Style. Nicht nur im Sommer findet ein Großteil des Lebens auf der Straße statt; Haga ist ganzjährig einen Besuch wert. In der Vorweihnachtszeit wird Haga zu einem einzigen großen Weihnachtsmarkt, dem vermutlich schönsten vom sonst so prosaischen Göteborg.

Unterwegs im Stadtteil Haga

Heute leben in Haga etwa 4.000 Göteborger; es waren einmal 15.000. Dies schuf Platz für die zahlreichen Cafés (z.B. dem Kringlan), Restaurants (für frischen Fisch und Meeresfrüchte: Sjöbaren; für Köttbuller & Co. Hemma hos), Boutiquen für Mode, Kunsthandwerk (Design Market 29) und Schmuck. Auch gute Second-hand-Shops (Bebop Antik) und kleine Läden (Spielzeugladen Liten Karin), für die Haga, heute fast überall eine entspannte Fußgängerzone, inzwischen berühmt ist. Für frische Lebensmittel und Streetfood aus aller Welt sind die 40 Stände in der Großen Markthalle Stora Saluhallen die erste Adresse.

Haga ist gut zu erlaufen, doch das Göteborger Leihfahrradsystem Styr & Ställ ermöglicht auch dem fußmüden Besucher, alles zu besuchen. Wer mag, kann sich nach einem langen Tag im Art-Nouveau-Spa Hagabadet erholen. Abends ist Haga eine eher ruhige Adresse; gelegentlich gibt es Orgelkonzerte in der ersten hochgotischen Kirche Schwedens, die hier 1859 aus Privatmitteln errichtet aus Edinburgher Sandstein errichtet wurde.

Wie komme ich zum Stadtteil Haga?

Das könnte dir auch gefallen