Die Passeggiata Anita Garibaldi

Genua, die Hafenstadt am Mittelmeer, schwebt seit jeher zwischen zwei Polen. Entweder wird sie im internationalen Tourismus verkannt oder sie wird verehrt. Bei der Betrachtung spielen auch wohl ein paar Vorurteile eine Rolle, doch wer aus dem Gewirr der Gassen heraustreten und Luft schnappen möchte, der kann dies auf einem Spazierweg tun, der den schönen Namen Passeggiata Anita Garibaldi bekam. Dies ist eine Promenade an der Ligurischen Küste, die bei Einheimischen und Urlaubern in gleichem Maße beliebt ist.

In Nervi verliert sich die Hektik Genuas

Manche nennen die Passeggiata Anita Garibaldi romantisch – andere nennen sie spektakulär. Und beides ist wohl richtig, denn in einigen Passagen ist der Weg den Felsen abgerungen. Er beginnt am Hafen von Nervi. Dort, wo sich die Hektik der Stadt an einer langen Seemauer verliert und wo der Parchi di Nevi ein Teil dieser Metropole ist, die sich Kurort nennen darf, über schattige Parks verfügt und wo ein überregional beachtetes Ballett-Festival stattfindet. Hier verleihen die milden Winde, die vom Monte Fasce herunterwehen, für ein angenehmes Klima. Und dort kann es passieren, dass es im Winter um die zehn Grad wärmer wird, als im benachbarten Genua.

Das jodhaltige Klima an der Küste

Die Passeggiata Anita Garibaldi führt von Nervi nach rund zwei Kilometern zum alten Hafen von Capolungo, wo sich hübsche Villen wie charmante Trutzburgen an die felsigen Hügel krallen. Der Ort wurde in der Vergangenheit häufiger von betuchten Europäern aufgesucht, die sich im jodhaltigen Klima an der ligurischen Küste Linderung ihrer Tuberkulose-Leiden erhofften. Auch sie werden über den Weg an den Felsen promeniert sein. Diesen gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert. Um auch für die Fischer eine Verbindung am Meer zu schaffen, wurde ein gewisser Marquis Gaetano Gropallo mit der Planung und der Ausführung beauftragt.

Die Frau eines Freiheitskämpfers

Bei jedem Wetter kann man die Passeggiata passieren. Allerdings schlagen hin und wieder die Wellen des Mittelmeers hinauf bis zur in den Fels geschlagenen Promenade. Doch wenn sich die Sonne blicken lässt, reicht der Blick über den Golfo Paradiso und hin und häufiger sogar bis nach Portofino. Die Uferpromenade wurde im übrigen nach Anita Garibaldi benannt. Sie war die Frau des Freiheitskämpfers Giuseppe Garibaldi, der Mitte des 19. Jahrhunderts der Anführer einer Revolutionsarmee war. Garibaldis Frau Anita verstarb im Jahr 1849. Bis April 1944 trug der Weg den Namen der Prinzessin von Piemont.

Nasses Stroh im Torre Gropallo

Sitzbänke, aber auch Restaurants, Bars und Cafés säumen den Wanderweg am Fels. Unterwegs passieren die Spaziergänger unter anderem den Torre Gropallo, den man früher auch Torre des Fieno nannte, weil man dort nasses Stroh verbrannte, um auf Gefahren hinzuweisen. Die Ursprünge des Turms reichen zurück bis ins 16. Jahrhundert. Dies war ein Teil der Befestigungsanlagen gegen die osmanischen Dragut-Piraten. Das Hotel Marinella, errichtet auf einer Klippe, war lange ein beliebtes Ausflugsziel der Genueser, verfällt aber mehr und mehr. An manchen Stellen des Passeggiata Anita Garibaldi gibt es Stege zum Meer.

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