Der Cimitero Monumentale

Der Cimitero monumentale ist ein Monumentalfriedhof, der im genueser Stadtteil Staglieno liegt. Er beeindruckt durch seine architektonische Gestaltung, die besonders durch Arkaden und Kolonnaden geprägt ist, in welche mehrstöckige Urnennischen eingelassen sind. Er befindet sich an einem sehr steilen Berghang, in dessen Flanken imposante Familiengruften in parkähnlicher Umgebung eingelassen sind.

Die Fläche des Cimitero monumentale beträgt ungefähr einen Quadratkilometer, was für einen Friedhof sehr groß ist. Aufgrund dessen und der Hanglage verkehrt auf dem Gelände eine eigene Kleinbuslinie, welche die einzelnen Friedhofsbezirke miteinander verbindet.

Eine würdevolle Grabstätte

Im 19. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung der ligurischen Hauptstadt Genua. Somit lebten auch immer mehr Menschen ab, was deren Bestattung innerhalb der Stadtgrenzen erschwerte. Zu dieser Zeit befanden sich die Friedhöfe meist noch um die Kirchen herum. Der Philosoph Michel Foucault spricht davon, dass im 19. Jahrhundert eine Tabuisierung des Todes durch die Gesellschaft stattgefunden habe, weshalb Friedhöfe außerhalb der Gemeinden entstanden seien. Diese Phänomen lässt sich auch in Genua am Beispiel des Cimitero Monumentale beobachten.
So plante der genueser Stadtbaumeister Carlo Barabino (1768–1835) im Auftrag der Stadt einen modernen Friedhof, der vor den Toren der Stadt liegen sollte. Hierfür wurde der abgelegene Berghang in der Nähe des Stadtteils Staglieno ausgewählt. Noch heute befindet sich das Areal außerhalb des eigentlichen Stadtbezirks. Barabino ersann ein weitläufiges Gelände, das einer „Stadt der Toten“ gleichkommen sollte. Bei der offiziellen Eröffnung am 1. Januar 1851 war diese Vision allerdings noch nicht ganz vollendet. Zu einer „Stadt der Toten“ im Sinne einer Begräbnis- und Weihestätte nach antikem Vorbild wurde der Cimitero monumentale erst durch die Ausgestaltung im Laufe der Zeit. Für die Maßstäbe des Jahres 1851 handelte es sich allerdings um einen Friedhof mit modernsten Einrichtungen, der allen hygienischen Anforderungen gerecht wurde. 1890 und 1955 wurde der Gottesacker umfassend saniert und teilweise ausgebaut. Der ursprünglich römisch-katholische Friedhof wurde dabei unter anderem um Areale erweitert, auf denen evangelische und anglikanische Christen bestattet werden.

Architektur und Kunst der „Stadt der Toten“

Architektonisches Zentrum ist das vom Haupteingang aus zu bewundernde Pantheon. Dieses wurde wie beinahe alle Kolonnaden und Arkaden von Giovanni Battista Resasco (1798–1871) erbaut, der ein enger Mitarbeiter des Stadtbaumeisters Barabino war. Das Pantheon befindet sich auf einer Anhöhe und thront so über dem Gelände. Es fügt sich harmonisch in die ländliche Umgebung, die von den Berghängen und sattem grün dominiert wird. Was den Friedhof aber wirklich zum Monumentalfriedhof erhebt, sind die vielen eindrucksvollen Skulpturen, welche die Grabmäler in den Arkaden und um die Mausoleen herum schmücken. Diese sind besonders schmuckvoll gestaltet, was den großen Reichtum der hier Bestatteten verdeutlicht. Stilistisch orientieren sich die meisten Kunstwerke am Bürgerlichen Realismus des 19. Jahrhunderts. Daneben sind aber auch viele weitere Stile vertreten, die den Friedhof zu einem Musterbeispiel für Kunstgeschichte erheben. Klassizismus und Jugendstil sind ebenso zu finden wie Barock und Symbolismus. Allen Grabmalen gemein ist auch das hochwertige Material, aus dem sie gefertigt sind. Überwiegend handelt es sich dabei um den hochklassigen Carrara-Marmor. Charakteristisch für den genueser Monumentalfriedhof ist dabei allerdings eine Besonderheit. Häufig wurde der weiße Marmor mit Hilfe schwarzen Bohnerwachs in Teilen geschwärzt.

Letzte Ruhestätte der Reichen und Berühmten

Ein Urnengrab oder gar eine Familiengruft ist aus all diesen Gründen eher wohlhabenden Menschen vorbehalten. So wundert es nicht, dass zu den prominentesten in Staglieno bestatteten Personen unter anderem der Autor Giovan Battista Carpi und die Ehefrau des Schriftstellers Oscar Wilde, Mary Constance Wilde, hier bestattet sind. Auf dem Friedhof finden sich auch einige skurrile oder gewagte Grabmale. So hat sich beispielsweise der Industrielle Armando Raggio eine beinahe 30 Meter hohe Kopie des Mailänder Domes auf seine letzte Ruhestätte bauen lassen.

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