Die Stadtteile von Brüssel

Das Stadtzentrum: Das Herz Brüssels wird regelmäßig mit Blumen geschmückt

Das historische wie aktuelle Stadtzentrum von Brüssel befindet sich auf der Flussinsel Saint-Géry in der Senne, die nach dem einstigen Bischof Gaugerich von Cambrai (550-626) benannt ist. Dieser soll hier im späten 6. Jahrhundert ein Gotteshaus zu Ehren des Erzengels Michael errichtet haben, das als Keimzelle der Stadt Brüssel gilt. Heute steht hier an der Place Sainte-Gudule die Kathedrale St. Michael und St. Gudula aus dem frühen 16. Jahrhundert. Neben und in unmittelbarer Nähe dieser Kirche befinden sich auch zahlreiche weitere berühmte Brüsseler Sehenswürdigkeiten. So können hier an manchen Stellen noch Überreste der ersten mittelalterlichen Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert besichtigt werden, die den einstigen Hafen an der Senne umgaben. Außerdem liegt hier die archäologische Ausgrabungsstätte des Palastes von Coudenberg aus dem 12. bis 18. Jahrhundert. Der touristische Hauptanziehungspunkt im Stadtzentrum ist jedoch sicherlich der zentrale und ca. 1,5 Hektar große Platz Grand-Place/Grote Markt mit dem gotischen Rathaus und den umliegenden barocken Gebäuden aus dem 11. Jahrhundert, der seit 1998 zum UNESCO-Welterbe zählt. Besonders gut besucht ist der Platz am werktäglichen Blumenmarkt sowie sonntags beim Vogelmarkt, alle zwei Jahre im Juli kann hier der große bunte Blumenteppich bewundert werden. Das ganze Jahr über besucht werden kann die luxuriöse Ladenpassage Galeries Royales Saint-Hubert von 1847.

Der Stadtteil Laken: Wo die Welt zu Gast war und dem Fußball gehuldigt wird

Der im Norden der Stadt gelegene Stadtteil wurde im späten 11. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt und war mit Ausnahme der Zeit zwischen 1331 und 1795 bis zur endgültigen Eingemeindung 1921 eine selbstständige Gemeinde. Bis zum frühen 19. Jahrhundert war Laeken ein bäuerlich geprägtes kleines Dorf, in der Folge sorgte die nach und nach einsetzende Industrialisierung für starkes Wachstum. Um 1850 zählte der Stadtteil bereits ca. 4.000 Einwohner, aktuell sind es etwa 52.000. Die bekanntesten Attraktionen vor Ort sind die Residenz des belgischen Königshauses, das von 1782 bis 1784 im klassizistischen Stil erbaute Schloss Laeken und der umliegende, wegen seiner vielen Brücken, Teiche, künstlichen Felsen und Täler auch „Kleine Schweiz“ genannte Laken/Laekener Park (Parc de Laeken). Häufig besichtigt und fotografiert wird auch die neugotische Liebfrauenkirche (Onze-Lieve-Vrouwekerk/Église Notre-Dame de Laeken) von 1872, wo mehrere Mitglieder des belgischen Königshauses ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. In den Jahren 1935 und 1958 war das lokale Heysel-Plateau Standort der Weltausstellung, das Gelände heißt heute Heyselpark, dort befindet sich auch das weltberühmte Atomium als Symbol für die friedliche Nutzung der Kernenergie. Ebenfalls in Laken beheimatet ist der populäre Park Mini-Europa, wo ca. 80 europäische Städte und etwa 350 Häuser nachgebaut wurden und das König-Baudouin-Stadion mit 50.000 Sitzplätzen als größtes seiner Art in Belgien.

Der Stadtteil Neder-over-Heembeek: Wo einst Alchemisten experimentierten

Ebenfalls im Norden von Brüssel liegt der gemeinsam mit Laken und Haren im Jahr 1921 eingemeindete Stadtteil Neder-Over-Heembeek. 1112 und 1155 kamen die beiden damaligen Ortsteile des Bauerndorfes Over-Heembeek und Neder-Heembeek unter die Herrschaft des Klosters Abbaye de Dieleghem. Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert gehörten das Dorf und die örtliche Burg zum Besitz der wohlhabenden Familie Busleyden, 1814 wurden beide Ortschaften zu einer Kirchengemeinde vereint. Bereits um 1618 wurde der Ort überregional bekannt, weil Johan Baptista van Helmont (1580-1644), ein flämischer Gelehrter und Anhänger der Lehren des berühmten Alchemisten, Arztes, Astrologen, Mystikers und Philosophen Paracelsus Theophrastus Bombast von Hohenheim (1493-1541) hier angeblich von einem Unbekannten die Formel zur Herstellung von Gold übermittelt bekam. Auch der spätere Papst Leo XIII. (Vincenzo Gioacchino Pecci) 1843 lebte vorübergehend in dem kleinen Ort. Eine architektonische Attraktion in Neder-Over-Heembeek ist die Kirche Saint-Nicolas aus dem 18. Jahrhundert, die 1932 entweiht wurde und seit ihrer umfangreichen Restaurierung 1935 als Kulturzentrum dient. Ein bei der Bevölkerung ganz Brüssels beliebter Treffpunkt ist das moderne Schwimmbad an der Rue de Lombartzijde mit Sauna und Solarium. Ein empfehlenswertes Naherholungsgebiet im Stadtteil ist der gut sieben Hektar große Parc de Meudon an der Stelle des einstigen gleichnamigen Schlosses. Die nächstgelegenen Bushaltestellen sind Wimpelberg oder Val Maria.

Der Stadtteil Haren: Das Verkehrsknotenkreuz im Nordosten der Stadt

Wie auch Laken und Neder-Over-Heembeek kam Haren im Nordosten ebenfalls 1921 als neuer Stadtteil zu Brüssel. Aufgrund der zahlreichen Großunternehmen vor Ort ist Haren gleich mit drei Bahnhöfen (Haren, Buda, Haren Sud/Zuid) mit dem restlichen Stadtgebiet verbunden. Hier befand sich zwischen 1914 und den frühen 1950er Jahren auch der erste Flughafen von Brüssel. Auf dem Gelände entstand in den 1960er Jahren das europäische Hauptquartier der NATO, welches seit 1967 in Haren ansässig ist. Auch von Haren aus lenkt die Europäische Organisation zur Sicherung der Luftfahrt (EUROCONTROL) ihre Arbeit, zwischen 1932 und 1997 unterhielt hier der französische Autokonzern Renault eine seiner größten Produktionsstätten. Bis heute ist Haren stark von großen Gewerbeflächen und Verkehrsverbindungen geprägt. Als schöne Ausflugsziele bieten sich zum Beispiel das Schwimmbad „Le Tetard-Le Dauphin“ in der Rue de Verdun und das Eisenbahnmuseum „Train World“ am Place Princesse Elisabeth an. Etwas weiter entfernt aber gut zu erreichen sind das Armeemuseum „Koninklijk Legermuseum (Musée Royal de l’Armée)“ im Parc du Cinquantenaire, das „Belgian Comic Strip Center“ in der Rue des Sables und der grüne Parc Josaphat an der Avenue des Azalees.

Das Europaviertel: Von hier werden die Geschicke des „alten Kontinents“ geleitet

Unweit vom erwähnten Parc du Cinquantenaire zwischen den Stadtteilen Eterbeek und Plasky liegt das Europaviertel mit zahlreichen Institutionen und Verwaltungseinrichtungen der EU sowie vielen Botschaften und Interessensvertretungen. Im zwischen 1963 und 1967 an der Rue de la Loi/Wetstraat erbauten Berlaymont-Gebäude befindet sich etwa Sitz der Europäischen Kommission samt den Büros des Präsidenten, der Kommissare und der Pressesprecher sowie des Generalsekretariats und juristischen Dienstes der EU-Kommission. Im benachbarten, 1995 eingeweihten und gut 215.000 m² großen Justus-Lipsius-Gebäude befindet sich das zentrale Konferenz- und Pressezentrum des Rates der EU und des Europäischen Rates. Mit dem 2016 fertiggestellten Europagebäude ist das Justus-Lipsius-Gebäude durch zwei Fußgängerbrücken verbunden. Der im Jahr 2007 fertiggestellte Erweiterungsbau Lexgebäude in der Rue de la Loi/Wetstraat beherbergt eine Kantine und den Übersetzungsdienst des Generalsekretariats des Europäischen Rates. Im Charlemagnegebäude sind die beiden Generaldirektionen der Europäischen Kommission für Handel und Erweiterung untergebracht. Das Triangle Building (Dreiecksgebäude) von 2009 an der Kortenberglaan/Avenue de Cortenbergh beherbergt seit 2012 das Hauptquartier des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD).

Der Stadtteil Louise/Louiza-Roosevelt: Wo Justiz und Diplomatie zu finden sind

Das Viertel im Süden von Brüssel ist ebenfalls Standort zahlreicher Botschaften, so etwa derjenigen von Bolivien, Montenegro, Argentinien, Brasilien, Ecuador, Surinam, Kroatien, Paraguay und Costa Rica an der wichtigsten und längsten Verbindungsstraße Avenue Louise/Louizalaan zwischen dem lebendigen Place Louise und dem Bois de la Cambre. In unmittelbarer Nähe befinden sich auch der von 1866 bis 1883 errichtete Justizpalast von Brüssel (Palais de Justice de Bruxelles/Justitiepaleis) am Place Poelaert, das im 19. Jahrhundert künstlich angelegte Ziergewässer Étangs d’Ixelles/Vijvers van Elsene an der Rue Guillaume Stocq und der benachbarte Park Hof van de Koning/Jardin du Roi. Eine grüne Oase der Ruhe ist auch der Park rund um die ehemalige Zisterzienserinnenabtei La Cambre/Ter Kameren. Gleiches gilt für die gut 1,2 km² große Grünanlage Bois de la Cambre/Ter Kamerenbos. Eine Vertretung der anglikanischen Gemeinschaft (Church of England) ist die „Drievuldigheidskathedraal“ an der Rue Capitaine Crespel unweit der Avenue Louise.
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